Tag der pflegenden Eltern: Weniger Bürokratie, mehr Unterstützung für Familien

23.​10.​2026

Tag der pflegenden Eltern: Weniger Bürokratie, mehr Unterstützung für Familien

Zum Aktionstag setzen sich die Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände im Land Brandenburg (LAGF), die Initiative „Familien wie wir“, der Landesbehindertenbeauftragte und der Landesbehindertenbeirat Brandenburg gemeinsam für verlässliche, familienorientierte Unterstützung pflegender Eltern ein.
 

Potsdam, 24. Oktober 2026. Pflege, Betreuung und Begleitung eines Kindes mit Behinderung oder chronischer Erkrankung prägen den Alltag vieler Familien – oft über Jahrzehnte. Neben der täglichen Sorgearbeit müssen Eltern Anträge stellen, Nachweise erbringen und Zuständigkeiten klären. Der damit verbundene bürokratische Aufwand kostet Zeit und Kraft, die Familien dringend für sich und ihre Kinder benötigen.
 

Der von wir pflegen e. V. initiierte Aktionstag steht 2026 unter dem Motto „Tag für Tag und viele Jahre – pflegen, kämpfen, Formulare“. Er rückt damit eine Belastung in den Mittelpunkt, die im Alltag vieler Familien zusätzlich zur Pflege und Begleitung ihrer Kinder entsteht. Die Botschaft ist klar: Familien brauchen ihre Kraft für die Pflege, die Entwicklung und die Teilhabe ihrer Kinder – nicht für langwierige Verwaltungsverfahren.
 

Maria Thalmann von der Initiative „Familien wie wir“ hebt hervor: „Wir pflegen unsere Kinder in der Regel über mehrere Jahrzehnte. Dafür brauchen wir eine adäquate Absicherung und niederschwellige Entlastungsmöglichkeiten. Ein rechtskreisübergreifendes Fallmanagement, das sich am Bedarf orientiert, würde den Alltag pflegender Familien massiv erleichtern. Der Erhalt der Verhinderungspflege in ihrer bisherigen Form wäre dringend notwendig, da dies oft die einzige Möglichkeit für pflegende Eltern ist, sich ein Minimum an Unterstützung und Entlastung zu organisieren.“
 

Norman Asmus, Landesbehindertenbeauftragter des Landes Brandenburg, erklärt: „Für pflegende Familien werden fehlende Unterstützung und bürokratische Hürden schnell zum Teufelskreis. An Ende leidet die Teilhabe der ganzen Familie – etwa wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Erwerbstätigkeit gänzlich aufgeben müssen. Die gesellschaftlichen Folgekosten sind deutlich höher als gezielte Investitionen in leicht zugängliche Unterstützungsstrukturen. Deshalb brauchen wir dringend weniger Bürokratie und möglichst viele staatliche Leistungen aus einer Hand wie beispielsweise durch eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Erst dann werden wir dem gesetzlichen Anspruch von Chancengleichheit sowie gleichberechtigter Teilhabe am Leben in der Gesellschaft gerecht. Leider bleibt dieser Aspekt bei den derzeitigen Diskussionen zur Sozialstaatsreform oft nur eine Randnotiz. Ich danke den Familien für ihre oft aufopferungsvolle Fürsorge für ihre Kinder und wünsche viele schöne gemeinsame Momente im Familienleben.“
 

Monika Paulat, Vorsitzende des Landesbehindertenbeirats Brandenburg, betont: „Eltern, die ihre Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen begleiten, leisten Tag für Tag Enormes. Ihre Erfahrungen und Bedürfnisse müssen bei kommenden politischen Entscheidungen im Land Brandenburg stärker berücksichtigt werden. Es ist wichtig, dass Familien als Expertinnen und Experten in eigener Sache ernst genommen werden. Bürokratieabbau bedeutet eben nicht nur Berichtspflichten von Unternehmen abschaffen, sondern auch Antragsverfahren vereinfachen, Hilfen zugänglich machen und Verfahren vereinheitlichen. Das gilt besonders im Hinblick auf die anstehende Reform des Brandenburgischen Behindertengleichstellungsgesetzes und der Eingliederungshilfe. Wer könnte hierbei die Perspektive der Betroffenen besser einbringen als die Menschen mit Behinderungen selbst und ihre Angehörigen? Lassen Sie uns politische Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Familien treffen - nicht über ihre Köpfe hinweg.“
 

Auch die LAGF bringt das Thema im Rahmen ihres Themenjahres 2026 „Familie und häusliche Pflege – Sorgearbeit gemeinsam gestalten“ ein. Aus Sicht der Familienverbände braucht es unbürokratische und verständliche Antragsverfahren, klar geregelte und abgestimmte Zuständigkeiten sowie verlässliche Ansprechpersonen. Matthias Milke von der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände hebt hervor: „Entlastungsangebote müssen sich an den tatsächlichen Lebenslagen der Familien orientieren. Ebenso wichtig ist es, die Gesundheit, die beruflichen Perspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe der pflegenden Eltern stärker in den Blick zu nehmen.“
 

Die unterschiedlichen Perspektiven der Familien, der Behindertenpolitik und der Familienverbände machen deutlich: Pflegende Eltern brauchen mehr als Anerkennung. Sie brauchen Rahmenbedingungen, die ihre Sorgearbeit erleichtern, ihre Rechte stärken und ihnen ermöglichen, den Alltag mit ihren Kindern langfristig gut zu gestalten.
 

Pflege in der Familie ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe. Der Tag der pflegenden Eltern bietet Anlass, die Anliegen der Familien gemeinsam stärker in der Familien- und Behindertenpolitik zu verankern und konkrete Verbesserungen anzustoßen. Ziel ist es, pflegende Eltern nicht mit bürokratischen Hürden allein zu lassen, sondern sie durch verlässliche Strukturen und bedarfsgerechte Unterstützung nachhaltig zu stärken.

 

Bild zur Meldung: Bild: Maria Thalmann | Foto: Kerstin Fende