Im Fokus: Gesundheit von Alleinerziehenden

Boxerin

Dr. Jouleen Gruhn, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Soziales im Landtag Brandenburg, betonte in ihrem Grußwort die besondere Verantwortung von Alleinerziehenden: „Sie vereinen Erwerbsarbeit Kindererziehung, Hausarbeit und die emotionale Fürsorge in einer Person. Dies zehrt an den körperlichen und seelischen Kräften.“
Frau Dr. Gruhn nahm dabei die Gesellschaft und insbesondere die politisch Verantwortlichen in die Pflicht: „Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen setzen, denn Alleinerziehende sind besonders von Armut, Zeitnot und gesundheitlicher Belastung betroffen.“
Sie dankte ausdrücklich den Verbänden SHIA und VAMV sowie der gesamten LAGF für diese Veranstaltung.

Quadrat Grußwort Dr. Jouleen Gruhn

 

Prof. Dr. Raimund Geene, Mitautor des 10. Familienberichtes der Bundesregierung, präsentierte Grundlagen, Ergebnisse und Handlungsempfehlungen aus dem Familienbericht mit dem Titel: „Unterstützung allein- und getrennterziehender Eltern und ihrer Kinder — Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen“. Ausgehend von der Lebenssituation  und den Alltagsbelastungen Allein- und Getrennterziehender zeichnete er ein Bild von Gesundheit, Wohlbefinden und Gesundheitsverhalten dieser Eltern und ihrer Kinder. Er betonte die Notwendigkeit einer familiären Gesundheitsförderung, die darauf abzielt, die Selbstbestimmung  der Menschen zu stärken, indem sie gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse schafft - politische Maßnahmen, gesunde Lebenswelten, gemeinschaftliche Initiativen und Gesundheitsdienste, die sich besonders für sozial benachteiligte Gruppen einsetzen.
Der 10. Familienbericht empfiehlt gezielte Angebote für belastete Einelternfamilien und familiäre Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe zu konzipieren. Eine besondere Rolle könnte dabei der Etablierung kommunaler Präventionsketten zukommen, die dazu beitragen, Angebote besser zu vernetzen und zugänglich zu machen.
Prof. Geene nannte als gutes Beispiel, an denen man sich bundesweit orientieren kann, aus Brandenburg das „Netzwerk gesunde Kinder“. Wichtig sei auch die Gesundheitsförderung durch Familienfreizeit und Familienerholung. 

Quadrat Vortrag Prof. Geene

Quadrat 10. Familienbericht

 

Zur gesundheitlichen Situation von Alleinerziehenden im Land Brandenburg stellte Dr. Alina Pöge vom Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung der UNI Potsdam, die Ergebnisse der „Familienbefragung Brandenburg“ vor. Ursache für eine schlechte gesundheitliche Konstitution ist danach das Zusammenkommen eines geringen Familieneinkommens mit besonders hohen Alltagsbelastungen. Besonders auffällig ist dabei, dass die Versorgung und Betreuung der Kinder keine besonders große Belastung für die Alleinerziehenden darstellt. Vielmehr wird gemeinsame Zeit mit Kindern als Ausgleich und Bereicherung erlebt. Eine Reduzierung der Belastungen (Erwerbsarbeit, Hausarbeit) würde zu einer stabileren psychischen Gesundheit führen. Fragt man Alleinerziehende in Brandenburg nach ihren Unterstützungswünschen, so steht im Gesundheitsbereich die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Ärztinnen und Ärzten an erster Stelle. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen die Reduzierung der Arbeitszeit, verbunden mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, ganz oben. Um Kinderbetreuung zu optimieren sollen Freizeit- und Nachmittagsangebote ausgebaut und gefördert werden, außerdem bedarf es flexiblere und längere Betreuungszeiten.

Quadrat Vortrag Dr. Pöge

Quadrat Familienbefragung Brandenburg

 

SHIA e.V. Berlin bietet Alleinerziehenden Beratungen zu sozialrechtlichen, finanziellen, psychologischen und pädagogischen Fragen sowie zur Kinderbetreuung an. In ihrem Vortrag stellte die Gesundheitswissenschaftlerin Susann Conrad das ergänzende Projekt einer individuellen Gesundheitsberatung für Alleinerziehende vor. Diese soll auf die Lebenslagen zugeschnitten sein und umfassende Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen bieten.

Ziel ist es, Familien dabei zu begleiten, einen nachhaltigen und gesunden Lebensstil in ihren Alltag zu integrieren – durch Achtsamkeit, Selbstfürsorge und die Stärkung der Gesundheitskompetenz. Um die Selbstwirksamkeit zu fördern, bezieht das Projekt auch die familiäre Gesamtsituation, Geschlechterrollen und Machtverhältnisse mit ein.

Die Erfahrungen der Ratsuchenden fließen in die Lobby- und Netzwerkarbeit ein: Der Verein setzt sich dafür ein, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern, Barrieren beim Zugang zu Gesundheitsdiensten abzubauen und Versorgungsnetzwerke zu stärken.

Die kostenlose Beratung wird flexibel angeboten – online, telefonisch oder aufsuchend – und passt sich den zeitlichen und räumlichen Bedürfnissen der Familien an. Gleichzeitig fördert das Projekt den Aufbau persönlicher Netzwerke und gemeinschaftlicher Strukturen, um soziale Isolation zu verringern und den Erfahrungsaustausch zu beleben.

Bisher basiert die Beratung auf ehrenamtlichem Engagement, und aktuell läuft die Suche nach einer Projektfinanzierung – Unterstützerinnen und Unterstützer sind herzlich eingeladen, dieses wichtige Angebot mit auf den Weg zu bringen.

Quadrat SHIA e.V. Präsentation


Im abschließenden Praxisaustausch stellten Mareike Sander-Drews und Dr. Christina Sanko von Frauengesundheit in Tenever (Frauen und Gesundheit e. V.) in Bremen die "Handreichung für passgenaue geschlechtergerechte Gesundheitsförderung für alleinerziehende Frauen*" vor. 
Die Handreichung basiert auf Erkenntnissen und Praxiserfahrungen aus zwei Projekten mit den jeweiligen Schwerpunkten Bewegung, Medienkompetenzen und Ernährung.

Quadrat Handreichung für passgenaue geschlechtergerechte Gesundheitsförderung für alleinerziehende Frauen

 

Gezeigt wurde ein kurzes Video über das abgeschlossene "Digital Empowerment"- Projekt mit und für alleinerziehende Frauen*. Das Video zeigt ab Minute 3:07 Eindrücke vom Gemeinschaftsgarten-Angebot im Rahmen des Projektes.  

Quadratzum Video (Klima-gerechte Gesundheits-Förderung für Frauen)


In einem 2025 neu bewilligten Projekt von Frauengesundheit in Tenever geht es um den gemeinsamen Schutz von Gesundheit und von Klima. 
Denn: Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde. In den Angeboten werden deshalb die Themen Klimaschutz und Gesundheit miteinander verbunden. Das Projekt wird vom Verein Frauen und Gesundheit e. V. im Bremer Stadtteil Osterholz (Ortsteil Tenever) durchgeführt. 

Quadrat Projektblog