Fachtag Im Fokus
Familiäre Pflege von Kindern: Zwischen Belastung und Unterstützung

Wie geht es Familien, die pflegebedürftige Kinder und Jugendliche zu Hause versorgen? Eine Online-Veranstaltung der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Brandenburg nahm die besonderen Belastungen und die pflegepolitischen Herausforderungen in den Blick.
Die familiäre Pflege von Kindern und Jugendlichen ist häufig weit mehr als die Übernahme klassischer Pflegeaufgaben. Eltern organisieren medizinische Versorgung und Therapien, koordinieren Termine, beantragen Leistungen und begleiten ihre Kinder im Alltag und bei der Teilhabe. Die gesamte Lebensgestaltung der Familie kann sich dadurch nach dem Unterstützungsbedarf des Kindes richten.
Nach einem einführenden Grußwort aus dem Landtag von Kristy Augustin MdL, machte Prof. Dr. Christa Büker von der Hochschule Bielefeld in ihrem wissenschaftlichen Beitrag deutlich, wie stark diese Situation insbesondere die Gesundheit pflegender Mütter belasten kann. Körperlich fordernde Tätigkeiten, nächtliche Versorgung, Schlafmangel, Krankenhausaufenthalte, ständige Aufmerksamkeit sowie der hohe organisatorische Aufwand können zu chronischen Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und psychischen Belastungen führen. Besonders zugespitzt ist die Situation für Alleinerziehende, bei denen Pflege, Erwerbsarbeit und Familienorganisation häufig ohne die Möglichkeit einer partnerschaftlichen Aufteilung bewältigt werden müssen.
Büker plädierte deshalb für Unterstützung, die Familien nicht erst dann erreicht, wenn Überlastung bereits eingetreten ist. Benötigt werden verlässliche Entlastungs- und Betreuungsangebote, qualifizierte Beratung, feste Ansprechpartner sowie eine stärkere Berücksichtigung der Gesundheit pflegender Angehöriger. Dabei verändern sich die Unterstützungsbedarfe im Verlauf der familiären Pflege und müssen entsprechend angepasst werden.
Vortrag Büker_LAGF 30.06.26.pdf
Aus brandenburgischer Perspektive erläuterte Ulrich Wendte die politischen Ansätze des Landes. Ziel ist es, Pflege möglichst ambulant und wohnortnah zu gestalten und Pflegebedürftigkeit als umfassende Lebenssituation zu betrachten. Mit dem „Pakt für Pflege“ und insbesondere dem Programm „Pflege vor Ort“ sollen kommunale Netzwerke, Beratung, niedrigschwellige Unterstützung und soziale Teilhabe gestärkt werden. Auch der Ausbau der Pflegestützpunkte spielt dabei eine wichtige Rolle.
Vortrag Wendte_LAGF 30.06.26.pdf
Die Praxisbeiträge zeigten, dass es dabei nicht allein um Pflege geht. Familien benötigen Unterstützung bei ganz alltäglichen Fragen, bei Betreuung und Entlastung ebenso wie bei der gesellschaftlichen Teilhabe ihrer Kinder. Gerade für Kinder mit geringerem Pflegegrad bestehen nach den Erfahrungen des Pflegestützpunkts Cottbus noch Lücken bei niedrigschwelligen Angeboten.
Die Veranstaltung machte damit deutlich: Wer häusliche Pflege stärken will, muss auch die pflegenden Familien stärken. Entscheidend sind verlässliche Entlastungsstrukturen, wohnortnahe Beratung und echte Teilhabemöglichkeiten.
Familien können einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung ihrer Kinder leisten – sie dürfen dabei aber nicht zum Ersatz für fehlende professionelle und kommunale Strukturen werden.
text_Brux_Cottbus.pdf
text_Liebig_Menschenkind.pdf
text_lisa_alleinerziehende.pdf
text_ronPechhold.pdf
text_thalmann_Familienwiewir.pdf
Tipp
Familien wie wir - Projekt und Ausstellung:
Familien wie wir | Maria Thalmann Potsdam